Der englische Name „Iceland“ veranlasst jeden Kletterer zum träumen und der erste Blick vom Fenster des Flugzeugs auf die in rosa Abendrot getauchte Insel war magisch.


Keiner von uns Dreien, weder ich, noch mein Freund Marco noch unser Kletterkamerad Maurizio waren zuvor in Island gewesen und so war unsere Neugierde sehr groß. Nachdem wir unseren Defender mit Vierradantrieb
entgegengenommen hatten und auch unser Bekannter Matteo, der auf Island lebt und dort als Gletscherführer arbeitet, mit an Bord war, ging es los Richtung Südosten.

Wir hatten geplant, die folgenden 9 Tage in der Gegend des Vatnajökull Nationalparks zu verbringen, der die größte Eisdecke Islands ausmacht. In 5 Stunden Fahrt brachten wir die ungefähr 340 Kilometer hinter uns, wobei wir uns einen kurzen Stop am "Black Beach" mit seinen Basaltsäulen nicht nehmen ließen.


Unser Ziel für diese Reise war, auf drei verschiedenen Formen von Eis zu klettern: einer Eishöhle, einer Gletschermühle und dem klassischen, gefrorenen Wasserfall. Bereits vor unserer Anreise hatte uns Matteo erklärt, dass die Gletschermühlen zu dieser Jahreszeit vom Neuschnee bedeckt sein könnten, wir wollten uns aber mit eigenen Augen davon überzeugen, bevor wir uns geschlagen gaben.

Leider waren sowohl die Gletschermühlen die wir im Laufe des ersten Tages fanden, als auch jene die wir am nächsten Tag in einem anderen Teil des Gletschers fanden, alle vom Schnee versiegelt und ein Klettern darin war unmöglich. An den beiden Tagen auf dem Gletscher konnten wir aber die Schönheit der Eisdünen bewundern und das atemberaubende Panorama genießen.

 

Eines war jedoch sicher: die Eishöhle würden wir unabhängig von Neuschnee und variierenden Temperaturen vorfinden. Bei unserer Ankunf präsentierte sie sich in ihrer ganzen Schönheit mit hellblau leuchtendem Eis am Rand, das Richtung Tunnel-Innerem immer dunkler wird. Diese Höhle hatte sich durch das Eindringen eines Baches in den Gletscher gebildet, der laut rauschend in der Finsternis des Tunnels verschwindet. Die Vorstellung, auf diesem so besonderen, stark überhängenden Eis zu klettern, war verführerisch und so machte sich Maurizio sofort an die Arbeit, die Linie mit Eisschrauben zu sichern. Daraufhin starteten wir einen ersten Kletterversuch auf der von uns eingerichteten Route. Am nächsten Tag schlug uns Matteo eine Variante zu den von Schnee verdeckten Gletschermühlen vor, die uns in den Genuss einer Offroad-Piste brachte - ein Abenteuer für sich! Es ging über eine halb vereiste nicht asphaltierte Fahrbahn, die mit wassergefüllten Löchern übersät war und deren Tiefe man nur erahnen konnte, Richtung Gletscher.


Der erste Anblick der kompakten Eiswand war atemberaubend. Die Eispickel in dieses 200 Jahre alte Eis zu schlagen, schien fast eine Sünde. Matteo beruhigte uns aber da er sagte, dass frischer Schnee und Sonne unsere Löcher in nur wenigen Tagen auslöschen würden. Wir suchten uns zwei Linien aus, die beide im oberen Teil überhängend waren. Die Wand glich einem Segel, im unteren Teil von Lavaasche schwarz gefärbt und im oberen Teil schillernd blau, ein wahres Wunder der Natur und für uns Liebhaber dieser Kletterdisziplin ein einzigartiger Genuss!

 

Während Matteo und Maurizio am nächsten Tag entschieden, den einzigen noch kletterbaren Wasserfall in der Gegend zu versuchen, der noch nicht dem Warmlufteinbruch der vergangenen Woche zum Opfer gefallen war, wollten Marco und ich uns auf einem anderen Teil des Gletschers umsehen, die Zufahrten erkunden und das unglaubliche Panorama genießen. Der Besuch der nahegelegenen Lagune und des Diamond Beach lohnte sich eindeutig. Hier brechen riesige Eisbrocken vom Gletscher ab und treiben als immer kleiner werdende Eisberge Richtung Meer, wo einige von ihnen von den Wellen wieder an Land geschwemmt werden und dort wie wunderschöne, blinkende Diamanten liegen bleiben und dem Strand seinen Namen geben.

 

 

Nun war es Zeit, den Durchstieg unserer Route in der Eisgrotte zu versuchen und ich bin hochmotiviert in die Route gestartet. Auf halber Höhe verklemmte sich aber einer meiner Eispickel und ich musste mehrere Minuten kämpfen und alle Tricks versuchen um ihn zu lockern. Mit sehr müden Armen kämpfte ich mich weiter und schaffte es bis zum Ende. Auch Maurizio gelang der Durchstieg und so kamen wir zum ersten Mal nicht beim Dunkelwerden nach Hause und konnten die übrige Zeit zum Kochen nützen. Es gab isländische Schafskeule im Rohr mit einheimischen Kartoffeln. Auch das Ausprobieren der einheimischen Küche ist Teil einer jeden Reise.

 

 

In Island gehört der tägliche Blick auf den Wetterbericht zu den unverzichtbaren Vorbereitungen. So wussten wir bereits, dass uns am nächsten Tag ein Schneesturm erwartete. Die gemeldete Windgeschwindigkeit lag bei 150 km/h und somit war klar, dass der Zivilschutz die Straßen sperren würde, da die geringe Sicht und der starke Wind, der sogar die Autofenster zum bersten bringen kann, zu gefährlich waren. Die ganze Nacht über hörten wir das Heulen des Windes, der am Haus rüttelte. Der erste Blick auf den Wetterbericht der nächsten Tage war
ernüchternd, am folgenden Tag sollte nun eine zweite Schlechtwetterfront auf die Insel zukommen. Nach kurzer Analyse war klar: nur wenn wir sofort am nächsten Morgen Richtung Reykjavik
aufbrechen, wären wir sicher, in drei Tagen unseren Rückflug antreten zu können. Auf der Rückfahrt und am letzten verbleibendenTag konnten wir einige Naturschauspiele wie den Geysir im Golden Circle besichtigen sowie das alte Stadtzentrum von Reykjavik besuchen. An Klettern war bei dem tobenden Wind leider nicht mehr zu denken.

 

 

Wir hatten für unsere Reise insgesamt 11 Tage zur Verfügung, einschließlich der An-und Abreise. Die ersten drei Tage in Island haben wir wenig geklettert und die Verhältnisse der Wasserfälle, Gletschermühlen und Eishöhlen geprüft. Die folgenden drei Tage waren dem Klettern gewidmet, während das Klettern an den letzten drei Tagen dem schlechten Wetter zum Opfer fiel.


In Island ist die Schönheit der Natur grenzenlos, dies gilt aber auch für ihre Kräfte. Am Ende ist immer sie es, die das letzte Wort hat. Ein riesiger Dank gebührt unserem Freund Matteo, der uns durch
dieses für uns ungewohnte Umfeld geführt und uns einige der schönsten Ecken der Insel gezeigt hat.

 



experience by

Angelika Rainer







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