BIOGRAFIE
Martin Sieberer, der im Winter sein Können als Mixed- und Eiskletterer unter Beweis stellt und im Sommer beim Felsklettern brilliert, verkörpert mit seiner Vorliebe für lange Routen und seinem klaren Stil, den er von den renommierten Vorbildern im Klettersport übernommen hat, den modernen Alpinismus.
Der im Jahr 1988 geborene Martin stammt ursprünglich aus Hopfgarten im Brixental in Tirol und entdeckte das Klettern erst im Alter von 25 Jahren, doch die Faszination für diesen Sport ließ ihn nicht mehr los. Die Ergebnisse seiner Leidenschaft, die sich hinter seiner stets gelassenen Fassade verbirgt, sprechen für sich.
In den letzten Jahren hat Martin seine Ausbildung zum IFMGA-diplomierten Bergführer (International Federation of Mountain Guides Associations) abgeschlossen, hat fast 30 Erstbesteigungen in den Alpen und im Karakorum (in Fels und Eis) erfolgreich durchgeführt und wurde fünfmal für den Piolet d'Or nominiert, die bedeutendste Auszeichnung für außergewöhnliche Leistungen im Extrem-Bergsport. Zuletzt erfolgte die Nominierung 2024 für die Erstbegehung der Südwestwand des Yernamandu Kangri (7.163 m), die er 2023 zusammen mit seinem langjährigen und vertrauten Kletterpartner Simon Messner absolvierte.
Martin’s Erfolgsbilanz ist kaum zu übertreffen – vor allem, wenn man bedenkt, dass er diese Leistungen in weniger als einem Jahrzehnt erzielt hat – und hat ihn bereits zu einem der bekanntesten Sportler seiner Generation gemacht. Von der Begehung der „Bonatti-Führe“ (Nordwand des Matterhorns, 2021) in nur einem Tag (erst acht Mal wiederholt) bis hin zu den jüngsten Freikletter-Begehungen in den Bergen Pakistans und Österreichs, wie beispielsweise der Direktroute auf den Schrammacher, den zweithöchsten Gipfel der Zillertaler Alpen, hat Martin bereits seine Spuren in Routen hinterlassen, die die Karriere eines Bergsteigers prägen. Der rote Faden, der sich durch seine Leistungen zieht, ist seine außergewöhnlich hohe Konzentrationsfähigkeit und sein ausgeprägtes moralisches Bewusstsein, das ihn dazu veranlasst, stets nur das Nötigste mitzunehmen und nur so wenig wie möglich zurückzulassen.
Martin zeigt sein Lächeln erst, wenn er den Gipfel erreicht. Und eigentlich sieht Martin Sieberer in einem Gipfel kein endgültiges Ziel, sondern nur eine Zwischenetappe auf seiner kontinuierlichen Reise.
EIN KURZES GESPRÄCH MIT MARTIN SIEBERER
Du hast erst mit 25 Jahren das Klettern für dich entdeckt. Erzähle uns von dem Moment, der dein Interesse dafür geweckt hat.
Ich war schon immer auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem, um meinen Hunger nach Nervenkitzel zu stillen. Zunächst fand ich ihn im Studium und in den vier Abschlüssen, die ich erworben habe. Dann, im Jahr 2012, nachdem ich bei einem „dummen” Unfall fast ein Bein verloren hätte, entdeckte ich das Klettern, aber nicht nur als eine Reha-Maßnahme, sondern als eine Art gesunde „Sucht”. Das war offensichtlich wohl die richtige Entscheidung.
Höhenbergsteigen oder technisch anspruchsvolle Routen an den großen Wänden der Alpen. Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre?
Ich versuche immer, eine gute Balance zwischen diesen beiden Disziplinen zu finden.
Simon Messner und ich werden 2027 wieder nach Pakistan aufbrechen, da wir 2025 keinen Gipfel bestiegen haben – es war eine ungünstige Saison mit schlechten Bedingungen.
Ich mag jedoch den Gedanken, dass ich mein nächstes Ziel noch nicht kenne. In der Zwischenzeit werde ich wahrscheinlich andere Träume verfolgen.
Die Berge zu Hause sind genauso spannend. In den kommenden Jahren werde ich versuchen, neue Erstbesteigungen zu realisieren, aber auch Überquerungen mit verantwortungsvoll eingesetzten Mitteln stehen auf meinem Plan. Wir sind ein eingespieltes Team und an Herausforderungen mangelt es nicht. Ich kann euch allerdings nicht alles verraten (lacht verschmitzt).
In vielerlei Hinsicht erinnert deine Art des Bergsteigens an die großen Vorbilder der Vergangenheit. Wer von ihnen hat dich am meisten inspiriert?
Da gibt es viele, von Buhl über Dülfer bis hin zu Welzenbach. Ihr Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, wohlbehalten und gesund nach Hause zurückzukehren und stets auf Nummer sicher zu gehen. Die Person, die mich am meisten inspiriert hat, ist zweifellos Walter Bonatti, aber ich glaube, das gilt für fast jeden Bergsteiger. Er hat mit seinen Besteigungen und seiner Herangehensweise an die Berge Geschichte geschrieben - auch, weil er alle seine Abenteuer heil überstanden hat.
Welches ist dein Lieblingsprodukt von Karpos?
Die Alagna Produktlinie, insbesondere dabei die Weste 2.0 und das Alagna Down Jacket. Diese Teile sind absolut vielseitig und für jedes Projekt im Gebirge geeignet, egal zu welcher Jahreszeit.
HIGHLIGHTS
2024 Erstbegehung der direkten Route „Waldner-Sieberer“, WI6, M7, 800 m, an der Nordwand des Schrammachers, 3.410 m (Zillertaler Alpen, Österreich)
2024 Durchsteigung der Nordwand des Großen Greiner, 3.201 m (Zillertaler Alpen, Österreich)
2024 Verschiedene Erstbegehungen im Oman
2023 Erstbegehung am Yernamandu Kangri, 7.180 m, Südwestwand (Karakoram, Pakistan)
2023 Erstbegehung der Route „Schneeleopard“, VI, 250 m, am Rockfall Peak (Masherbrum Gletscher, Pakistan)
2022 Erstbegehung der Route „Semifreddo“, IX, 220 m, an der Südwand der Punta Aurelia, 2.950 m (Sass Pordoi, Dolomiten, Italien)
2021 Erste Winterbegehung der Route „Eremit“, M9-, WI7-, im Bereich des Amphitheaters im Pinnistal (Stubaier Alpen, Österreich)
2021 Erstbegehung der „Bonatti-Führe“, VI/A1, 1.100 m Höhenunterschied, an der Nordwand des Matterhorns, 4.478 m (Walliser Alpen, Schweiz)
2019 Erstbesteigung des Black Tooth, 6.718 m, Süd-Südwestwand, „Messner-Sieberer“-Route, WI5+, M5 (Karakoram, Pakistan)
2018 Erste Winterbegehung der Nordwand der Wechnerwand, 2.855 m, Sieberer-Brugger-Führe“, M5+, 400 m (Stubaier Alpen, Österreich)